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Franz Kafka

25. Juli 1914 · Heute in der Geschichte

Dramatized

Heute vor acht Tagen, am 17. Juli, habe ich meine Verlobung mit F. aufgehoben. Eine Befreiung, die sich wie eine Verurteilung anfühlte. Nun sitze ich im Dampfbad der Augustabenddämmerung, und die Zeitungen sprechen von Ultimaten, von Serbien, von einem Krieg, der wie ein Türhüster kommt — man weiß, er steht dort, doch niemand durchschreitet ihn. Mein Vater schickt Postkarten aus Karlsbad. Ich antworte mit Lügen über meine Gesundheit. Draußen bereiten sich die Männer in Uniformen auf etwas vor, das sie selbst nicht begreifen. Ich bereite mich darauf vor, morgen ins Büro zu gehen, obwohl das Büro vielleicht morgen schon eine andere Welt sein wird. Der 25. Juli. Ein Datum wie ein Fenster, das man nicht öffnen kann.

Explain more

Am 25. Juli 1914 überschritt Österreich-Ungarn die Frist des Ultimatums an Serbien. Europa stand drei Tage vor dem Ersten Weltkrieg. Kafka, damals 31, arbeitete bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag und hatte gerade seine zweite Verlobung mit Felice Bauer gelöst.

Why it matters

Kafkas berühmteste Werke entstanden in den Jahren danach — die Erfahrung des Systems, das sich verselbständigt, des Individuums vor unbegreiflicher Macht. Der Krieg war kein Thema seiner Romane, doch seine Struktur durchdrang sie.

Try today

Beobachten Sie heute ein System, dem Sie folgen, ohne es zu verstehen. Fragen Sie nicht nach dem Sinn — fragen Sie nach der Tür.

What is true / dramatized: Dramatized. Educational entertainment — not a primary historical source.

Kafka-Tagebücher 1914; historische Dokumentation Juli-Krise 1914

Difficulty: medium · ~3 min

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